14 Tage mit Bahn und Bus nach Tamil Nadu und zurück über Mysore und Bengaluru (Bangalore), Karnataka, nach Mumbai (Bombay).


Chennai (Madras)

Die Hauptstadt von Tamil Nadu, Chennai ,läßt anders als Kolkata (Kalkutta) kaum noch die Handschrift der Engländer erkennen, die Madras mit der  Errichtung eines Forts praktisch gegründet hatten.


Im Fort, das heute vor allem vom Militär genutzt wird, das u.a. in einem weithin sichtbaren Hochhaus untergebracht ist, wird die Erinnerung an die Engländer durch ein paar alte Gemäuer und das renovierte Clive Gebäude, hauptsächlich aber durch in einem Museum ausgestellte Utensilien wachgehalten. Neben dem "Flagpost" das jetzige Gebäude des Landesparlamentes.


  
  
  

Die ehemals englische Dominanz findet ihren Ausdruck in einigen wichtigen Gebäuden, wie dem Bahnhof und demjetzigen Domizil der Southern Railways, dem Highcourt und der Hauptpost.

  
  

In der Nähe des Forts breitet sich Georgetown aus, wo die "Britishers" ihre Wohnungen hatten, die aber im heutigen Stadtbild kaum noch auszumachen sind. Das Viertel unterscheidet sich nur unwesentlich von anderen indischen Großstädten  mit den vielen engen, verkehrsreichen Strassen.

  
  

Chennai ist auch nicht gerade reich an Sehenswürdigkeiten. Die St.Thome Cathedral, der über 1000 Jahre alte, Vishnu geweihte Parthsarathi Tempel, das Swami Vivekananda Haus, und der alte Banjan Tree im Park der Theosophischen Gesellschaft sind vielleicht einen Besuch wert.

  
  

Der Abend gehört der Marina Beach, dem langen Strand von Chennai mit seinen vielen Buden und sonstigen Vergnügungsmöglichkeiten, z.B. der, sich mit einem Schauspieler Pappkameraden in der Mitte fotografieren zu lassen. Richtung Innenstadt schließen sich  Gedenkstätten  zweier wichtiger Politiker der Neuzeit an.

  
  
  

Puducherry (Pondicherry)
Diese erst vor etwas mehr als 50 Jahren von den Franzosen aufgegebene Enklave aus der Kolonialzeit erinnert im östlichen Teil an der Küste des Golfs von Bengal noch ein wenig an französische Lebensart. Die in rechtwinklig zueinander angelegten kleinen Strassen  im  suedeuropäischen Baustil errrichteten Gebäude sowie Restaurants mit kontinentaler Küche lassen in dem Reisenden das Gefühl aufkommen, in Europa zu sein.

  
  
  

Ganz zurückgezogen haben sich die Franzosen noch nicht. Geblieben ist der rote Tschako und die sich allerdings nur zurückhaltend entfaltende Trikolore auf dem Dach des französischen Konsulats.

  

Neben seinen für Indien so ungewöhnlichen Bauten bietet Puducherry wenig Anlass, nach besonderen "sights" zu suchen. Wer will, besucht den Sri Aurobindo Ashram, der auch eine Schule unterhält, sowie die Sacred Heart Church.

  
  

Die Strandpromenade ist der Platz für die Väter der Nation, Gandhi, und etwas versteckter Nehru. Baden ist wegen zu starker Strömung nicht erlaubt, sich von einem Saddhu "blessings" abzuholen, dagegen nicht. Im Strandcafè ist man ab nachmittags total "in".

  
  
  

Auroville

Etwa 15 km nördlich von Pondi, wie Puducherry auch heute noch kurz genannt wird, und abseits der Strasse , die entlang des Bengalischen Golfs nach Chennai  führt, sowie versteckt im Wald, der erst von den Gründern angelegt worden ist, liegt Auroville. Auroville ist keine gewöhnliche Siedlung. Sie wurde 1968 von der Französin Mirra Alfassa mit dem Ziel gegründet, einen Platz zu schaffen, an dem sich Menschen aus aller Welt niederlassen können, Menschen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, wie Sri Aurobindo ein höheres Bewußtsein anzustreben (supramental consciousness). Der Lehre Aurobindos vom "integralen Yoga" folgend wird erwartet, dass jeder Teilnehmer an dem Projekt für mindestens 5 Stunden am Tag Gemeinschaftsarbeit leistet. Nähere Informationen dazu erhält man unter der Webadresse www.auroville.org.

Plan der Mutter, wie Mirra Alfassa nur genannt wird, war es, einen Platz für etwa 15000 Teilnehmer zu schaffen. Dieses Ziel ist bei weitem nicht erreicht, auf dem Gelände leben  derzeit rund 2100 Menschen aus 43 Nationen, davon etwa über 900 aus Indien.

Die Anlage ist um ein Zentrum herum, dem sogenannten Matrimandir, angelegt . Der Bau gilt als das Yogazentrum. Von diesem Zentrum aus gesehen sollen einmal alle Wohn-, Arbeits- und Kulturareale herum angelegt sein. Soweit das  Modell.
Die Wirklichkeit sieht zurzeit noch anders aus, was man sehr bald in einem Besucherzentrum erfährt.

  
  

Geführte Fahrten enden dort, man erhält jedoch die Erlaubnis, auf eigene Faust in der gesamten Anlage herumzufahren. Auf meist unbefestigten Strassen und Wegen durch dichten Wald - der Banjan Tree muss immer dabei sein - gelangt man zu einzelnen Häusern oder Wohnanlagen, die von der Strasse kaum auszumachen, manchmal aber auch von einer gepflegteren Anlage umgeben sind.

  
  
  

Verstreut im Gelände trifft man auf Arbeits- und Verkaufsstätten, die nach Plan eigentlich in einem eigenen Sektor untergebracht sein sollen.

  
  

Es gibt Schulen und einen - verwaisten - Spielplatz.

  
  

Weitere Gemeinschaftgebäude sind das Verwaltungszentrum, ein Gesundheitszentrum, eine Veranstaltungsbühne sowie die solar betriebene Küche nebst Restaurant, wo sich wohl die meisten Auroviller mittags verpflegen.

 

 
  

Auroville scheint ein Beispiel dafür zu sein, dass großartige Ideen großer Menschen große Hürden beseitigen müssen, um in der Wirklichkeit zu funtionieren.

Ooty

Udhagamandalam oder Ooty, wie es die Engländer nannten und wie es auch heute noch jeder tut, präsentiert sich im Morgennebel. Kein Wunder, Ooty liegt  2240 m hoch in den Nilgiris nahe Coimbatore. Es ist die wohl bekannteste Hillstation im Süden Indiens.

  
  
  

Auf einem Plateau rund um den für die Engländer so wichtigen Racecourse hat sich die Kleinstadt entwickelt, die man mit einer Kleinbahn oder mit Bussen erreicht. Das Stadtbild soll sich erst in den letzten 20 Jahren "indisiert" haben. Die Häuser auf den Hügeln um das Plateau herum und natürlich die Kirchen halten die Erinnerung an die Kolonialherren wach.

  
  
  
  
  
  

Wirklich sehenswert ist der von den Engländern angelegte Botanische Garten mit seinem mannigfaltigen, teilweise uralten Baumbestand. Er ist auch für Inder selbst im Monsun ein Anziehungspunkt.

  
  
  

Die Wälder in den Nilgiris waren - und sind zum Teil auch heute noch  - die Heimat von Ureinwohnern, die sich Toda nennen. Vor etwa 20 Jahren aber kamen Gruppen von ihnen aus dem Wald; sie suchten die Nähe von Städten und dort insbesondere den Zugang zu Schulen. Vorbei an Teefeldern - und einem von den Briten angelegten Golfplatz - erreicht man auf der Spitze eines Hügels  ein im Nebel kaum auszumachendes Toda Dorf teilweise noch mit seinen typischen Häusern aus Flechtwerk, einem Versammlungsplatz mit "Obelisk" für bedeutende Ereignisse, z.B. Hochzeiten, und gleich zwei Tempeln, wobei der in die Höhe wachsende anzeigt, dass er eine Kultstätte von übergeordneter Bedeutung ist. Die langsame kulturelle Assimilation der Toda belegen die aus Stein errichtete Häuser sowie die weidenden Kühe. Die Toda ernähren sich nicht mehr allein von dem, was der Wald hergibt. 

  
  
  
  

Mysore

Mysore ist eine Stadt in Karnataka mit etwas über 1 Million Einwohnern, etwa 150 km nordwestlich von Ooty gelegen. Wegen ihrer vielen Grünflächen und Parks - einer der schönsten der Botanische Garten mit seinem See - nimmt sie bei manchen auch den Rang einer Gartenstadt ein.

  
  

Hauptanziehungspunkt dürfte der Palast der Wodejars inmitten der Stadt sein.

  
  

Vom Palastgelände hat man einen guten Blick auf den Chamundi Hill, auf dessen Spitze sich der Chamundeshwari Tempel befindet, der der Göttin Durga geweiht ist, der Hausgöttin der Wodejars. Man kann ihn, wenn man will, (nur wenige wollen es), nach Durchqueren eines - symbolischen - Eingangstores weiter unten in der Ebene zu Fuß über eine 1000 Stufen hohe Treppe erreichen, wobei man auf etwa 700 m Höhe auf einen gigantischen Monolit als Nandi trifft, dem Reittier Shivas. Um die Tempelanlage herum der übliche Auftrieb von Besuchern. Das Erinnerungsfoto darf bei Indern nicht fehlen.

  
  

In Mysore geht es auf den Strassen relativ ruhig zu. Ausnahme sind jene um den Palast herum.

  
  

Als sehenswert neben dem Palast und dem Chamundi Hill empfehlen etliche Reiseführer noch die im Jaganmohan-Palast untergebrachte Art Gallerie, die Statuen der Maharadjas Chamarajendar und Krishnaraja Wodeyar, das Government House,früher die Britische Residenz, die St. Philemona Kathedrale, die Moschee Masjid-i-Azam sowie den Devaraja Markt.

  
  
  

16 km ausserhalb Mysores im heutigen Srirangapatnam liegt das von den Gegenspielern der Wodejars, Haider Ali und seinem Sohn Tippu Sultan errichtete und bewohnte Fort, die Befestigungsanlagen überwiegend in Ruinen. Großartig die von ihnen gebaute Moschee und vor allem der Tempel. Der ein paar Kilometer abseits liegende Sommerpalast des Tippu Sultan sowie das Mausoleum ziehen eine gro0e Schar von Besuchern an.

  
  

Bengaluru (Bangalore)

Zum Abschluss der Reise Bengaluru, die Haupstadt von Karnataka. Sie ist bekannt als IT Hub von Indien, für Kenner aber auch als Zentrum für Wissenschaft und Forschung. Dafür steht einerseits der Electronic Park einige Kilometer außerhalb des Stadtkerns - interessant  neben den eher konservativen Gebäuden anderer IT-Firmen die futuristischen Infosys Bauten im direkten Kontrast zu den indischen Hutments - sowie andererseits das Science and Research Center, hier im Bild das Verwaltungsgebäude auf dem weitläufigen, streng bewachten, parkartigen Gelände.

  
  
  

Im Zentrum der Stadt die 1956 erbaute Vidhana Soudha, Sitz der Regierung und des Parlaments von Karnataka, und gegenüber der High Court. Die breiten, fast leeren Strassen wie die vor der Vidhana Soudha und der Mahatma Gandhi Road - kurz MG Road - täuschen darüber hinweg, dass Bengaluru wohl eine der Städte mit dem relativ größten Verkehrsaufkommen Indiens ist. Allein über 700 Bus Linien sorgen oft für ein Verkehrschaos. Das zeigt sich gleich jenseits des Cubbon Parks um Bus- und Eisenbahn Station herum im alten Stadtzentrum von  Gandhi Nagar.

  
  
  

Zu besichtigen gibt es wenig in Bengaluru. Da ist u.a. Tippus Sommerpalast, eine schwache Ausgabe im Verhältnis zu dem in Srirangapatnam, und vielleicht noch der Bull Tempel sowie die St. Marks Church. Wie immer in Indien lohnt auch in Bengaluru ein Besuch im Botanischen Garten mit seinem Glaspalast, in dem gelegentlich Blumenschaus veranstaltet werden werden. Gleich am Eingang auf einem felsigen Hügel ein Türmchen, eines von vier in Bengaluru, die der Hoysala König Kempegowda an den 4 Ecken des von ihm gebauten Forts errichten ließ.